Offener Brief zur geplanten Schließung des Salzamts

An die Mitglieder des Linzer Gemeinderats.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das KünstlerInnenkollektiv KOMPOTT spricht sich hiermit vehement gegen die geplante Schließung des Salzamts aus.

In nur wenigen Jahren hat es die Stadt Linz mit dieser Einrichtung geschafft, die internationale Vernetzung zwischen Kunst- und Kulturschaffenden maßgeblich und nachhaltig voranzutreiben.

Ihr Nutzen und ihre Notwendigkeit erschließt sich alleine schon aus dem angemeldeten Bedarf, der sich in unzähligen Anfragen nach Atelierplätzen, Residencies, Ausstellungen und Kooperationen niederschlägt.

Angesichts der vergleichsweise niedrigen finanziellen Mittel, die in den Betrieb des Salzamts investiert werden, steht der hohe kulturelle Mehrwert, den das Haus der Stadt liefert, in keinerlei Verhältnis.

Die Aktivitäten des Salzamts bereichern nicht nur die hiesige Kulturszene, sondern bringen gleichzeitig Kontakte aus Linz in die Welt und vice versa und helfen so, wichtige Netzwerke aufzubauen, die die Bekanntheit der Kulturschaffenden wie die der Stadt erhöht.

Auch wir haben vom Angebot des Atelierhauses profitiert und die Einrichtung wegen ihrer zahlreichen Qualitäten und ihrer Niederschwelligkeit sehr zu schätzen gelernt. Sei es als Ausstellungs- und Veranstaltungsort, als internationaler Netzwerkknoten, als Thinktank, als Labor, Treffpunkt oder Experimentierfeld. In all diesen Funktionen hat sich das Salzamt als leicht zugänglicher und integrativer

Raum etabliert, in dem künstlerisches Schaffen unter guten Bedingungen und kulturelle Kooperation unkompliziert möglich ist.

Gerade für AbsolventInnen der Kunstuniversität sind solche Infrastrukturen ein wesentlicher Faktor, die Stadt nach Beendigung des Studiums nicht sofort zu verlassen, sondern sich hier ein Netzwerk und eine solide Basis für künstlerisches und kulturelles Schaffen aufbauen zu können.

Holger Jagersberger bemüht sich als integrative und professionelle Persönlichkeit sehr um die Zusammenarbeit der KünstlerInnen im Haus. Nicht zuletzt seinem Engagement ist es zu verdanken, dass sich das Salzamt und damit auch die Stadt Linz im Feld des freien Kunst- und Kulturschaffens in nur wenigen Jahren international profiliert hat.

Es ist auch in keiner Weise nachvollziehbar, weshalb die im aktuellen Kulturentwicklungsplan abermals erneuerten Absichtserklärungen, freie Kunst- und Kulturproduktion fördern zu wollen, in dieser Weise ins Gegenteil verkehrt werden. Die Linzer Kulturpolitik verliert dadurch ihre Glaubwürdigkeit.

Das Salzamt muss bleiben!

Mit freundlichen Grüßen,

KOMPOTT
Ulrich Fohler
Thomas Kluckner
Kristina Kornmüller
Ingo Leindecker
Petra Moser

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